Projekt Landschaftsarchitektur
Lehrveranstaltung
Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Projekt Landschaftsarchitektur“, die im Wintersemester 2024/2025 in Kooperation mit dem Klima-N Projekt durchgeführt wurde, nahmen Masterstudierende des ersten Semesters Landschaftsarchitektur die Campusgelände der Hochschule Fulda, der Hochschule Schmalkalden und der Universität Erfurt in den Fokus ihrer Planungen. Ziel war es, das breite Spektrum nachhaltiger landschaftsarchitektonischer Ansätze zu erforschen und anzuwenden.

Für die entwickelten Konzepte wurden verschiedene Leitthemen definiert, die nach Besichtigungen der Gelände in detaillierte Analysen und Entwürfe mündeten. Die übergeordneten Themenbereiche der Planungen umfassten:
- Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE):
Betonung sozialer Strukturen und die Gestaltung der Campusgelände als Lernorte. - Blau/Grüne Infrastruktur:
Konzepte für Regenwassermanagement und Klimaanpassungsmaßnahmen auf den Campusgeländen. - Biodiversität:
Integration von Habitaten und Lebensräumen auf den Campusgeländen sowie deren nachhaltige Pflege. - Mobilität:
Verbesserung der Infrastruktur der Campusgelände, deren Anbindung an das Umland und die Förderung der Fahrradmobilität.
Ergebnisse
Die Ergebnisse dieser Planungen wurden am 9. Mai an der Fachhochschule Erfurt präsentiert. Hochschulangehörige, insbesondere Liegenschaftsverwalter, Kanzler und Präsidenten der beteiligten Hochschulen, hatten die Möglichkeit, die verschiedenen Planungen und Konzepte zu begutachten und direktes Feedback zu geben.
Nutzung und Räumliche Einbindung
Die Universität Erfurt ist mit rund 6.000 Studierenden und 800 Mitarbeitenden die größte Hochschule der Landeshauptstadt. Der rund 19 Hektar große Campus ist zentrumsnah gelegen und gut in das öffentliche Nahverkehrsnetzt eingebunden, was eine ausgezeichnete Anbindung an kulturelle und soziale Angebote ermöglicht.
Der Campus unterliegt zahlreichen Nutzungen in den historischen und modernen Lehr- und Verwaltungsgebäude, einem Wohnheim für Studierende, einer Kindertagesstätte sowie den Sporteinrichtungen.
Blau-Grüne Infrastruktur und Biodiversität
Die weitläufigen Grünflächen fördern nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit, sondern tragen auch zu einer positiven Lernatmosphäre bei. Eine Kaltluftschneise im Süden sorgt für frische Luft und hat vorteilhaften Einfluss auf das Stadtklima. Landwirtschaftliche Flächen im Norden und Westen tragen zur offenen Landschaftsstruktur bei.
Die bestehenden Grünflächen sind funktional angelegt, weisen jedoch eine begrenzte Vielfalt an Pflanzen auf und der hohe Anteil versiegelter Flächen erfordert gezielte Maßnahmen zur Entsiegelung. Die Artenaufnahmen zeigen eine hohe Diversität der Baumarten, während die Staudenflächen Potenzial für eine artenreichere Bepflanzung bieten.
Das vorhandene Entwässerungssystem leitet Regenwasser effizient ab, jedoch besteht die Herausforderung, dieses Wasser nachhaltig zu speichern. Geplante Maßnahmen zur Integration einer Zisterne sollen die Wassernutzung optimieren und ein ressourcenschonendes Management ermöglichen.
Chancen für die Zukunft
Zukünftige Bauprojekte bieten die Möglichkeit, die Integration von blau-grüner Infrastruktur und Biodiversität zu fördern. Die Schaffung von Wasserflächen und die Berücksichtigung spezifischer, teilweise gefährdeter Arten könnten die Biodiversität und Klimaanpassung auf dem Campus erheblich steigern. Darüber hinaus kann die Gestaltung des Campus als lebendiges Lernumfeld für Bildung für nachhaltige Entwicklung dienen, indem Studierende auch auf dem Campus aktiv in Themen des Umweltbewusstseins und nachhaltige Praktiken eingebunden werden. So wird der Campus nicht nur zu einem Ort des Lernens, sondern auch zu einem Beispiel für nachhaltige Lebensweisen und verantwortungsvolles Handeln.
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Nutzung und räumliche Einbindung
Die Hochschule Schmalkalden befindet sich im Südwesten Thüringens am Rand der Stadt Schmalkalden mit etwa 20.000 Einwohnern. Umgeben von der historischen Altstadt und der malerischen Landschaft von Thüringer Wald, Rhön und Rennsteig, bietet die Region kulturelle und naturnahe Erlebnisse.
Die Hochschule bietet eine Vielzahl von fünf Fakultäten, die insgesamt 37 praxisorientierte und interdisziplinäre Studiengänge für etwa 2500 Studierende bereitstellen. Die Gesamtfläche des Hochschulareals beträgt fast 9 Hektar, wovon etwa 45 % durch versiegelte Bereiche wie Gebäude, Straßen und Parkplätze eingenommen werden. Der Campus ist so gestaltet, dass alle Einrichtungen leicht zu Fuß erreichbar sind. Für Autofahrer stehen großzügige Parkmöglichkeiten an den südöstlichen und nordöstlichen Grenzen des Geländes zur Verfügung. Zudem gibt es Fahrradstellplätze vor den Fakultätsgebäuden, die jedoch nur einen eingeschränkten Schutz vor Witterungseinflüssen bieten.
Blau-Grüne Infrastruktur und Biodiversität
Die Freiflächen auf dem Campus bestehen aus großzügigen Rasenflächen und einigen Pflanzbeeten. Dichte Vegetation an den Rändern des Geländes tragen zur ökologischen Qualität der Flächen bei und bilden eine natürliche Trennung zum städtischen Umfeld. Dennoch gibt es Herausforderungen, wie die hohe Versiegelung, die das Risiko von Überhitzungen erhöht und die Versickerung von Regenwasser einschränkt.
In den vergangenen Jahren wurden auf dem Campus verschiedene geschützte Tierarten in unterschiedlichen Lebensräumen entdeckt. Amphibien wie Bergmolch, Erdkröte, Grasfrosch und Teichmolch, benötigen geeignete wassergebundene Habitate. Es wurden mehrere Fledermausarten nachgewiesen, darunter das gefährdete Braune Langohr und auch die Ringelnatter sowie verschiedene Libellenarten, wie die Gestreifte Quelljungfer, sind in der Umgebung heimisch. Diese Artenvielfalt verdeutlicht das Potenzial des Campus für eine artenreiche Gestaltung und die Förderung der Biodiversität.
Chancen für die Zukunft
Die vorhandenen Grünflächen, das große Feldgehölz und der gesunde Baumbestand bieten eine gute Basis für eine nachhaltige Gestaltung und zur Förderung der Biodiversität. Dach- und Fassadenbegrünungen könnten dieses Potential steigern und das Klima auf dem Campus sowie in der Stadt verbessern. Eine Kombination aus Begrünung und Photovoltaikanlagen könnte zudem die Energieeffizienz erhöhen. Das Wassermanagement ließe sich verbessern, indem der Wasserrückhalts der „Stille“ verbessert wird. Maßnahmen, wie die Renaturierung eines ehemaligen Mühlgrabens können durch einen verbesserten Zugang zum Wasser zudem weitere Möglichkeiten der Naherholung ermöglichen.
Insgesamt kann die Hochschule Schmalkalden durch gezielte naturnahe Gestaltungsmaßnahmen und die Schaffung attraktiver Aufenthaltsräume einen wesentlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit und Biodiversität leisten.
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Nutzung und räumliche Einbindung
Der Campus der Hochschule Fulda ist durch die Nähe zum Hauptbahnhof und Autobahnanbindungen mit dem Auto und ÖPNV, aber auch mit dem Fahrrad gut erreichbar. Der Campus selbst ist kompakt und barrierefrei gestaltet, mit klaren Wegeverbindungen und Aufenthaltsflächen, die zum Verweilen einladen. Die Umgebung besteht aus Wohngebieten und industriellen Flächen, was sowohl Herausforderungen als auch Chancen für eine nachhaltige Gestaltung bietet.
Blau-Grüne Infrastruktur und Biodiversität
Die Hochschule Fulda profitiert von der Nähe zu Kleingartenanlagen und Naturschutzgebieten, die der Biodiversität zugutekommen, da diese Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bieten. Die Gehölze auf dem Campus haben zum Großteil eine geringe ökologische Wertigkeit, insbesondere in stark frequentierten und versiegelten Bereichen, darunter auch einige invasive Arten. Der hohe Versiegelungsgrad von etwa 55% schränkt die ökologische Vielfalt ein, vermindert die Wasserspeicherfähigkeit des Geländes und begünstigt einstädtisch-warmes Mikroklima, was die Resilienz gegenüber Extremwetterereignissen verringert. Die Dächer des Campus sind vielgestaltig und teilweise bereits extensiv begrünt.
Chancen für die Zukunft
Um die Außenanlagen nachhaltiger zu gestalten und den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken bieten extensive Dachbegrünungen ein großes Potential. Sie verbessern die blau-grünen Infrastruktur durch Verdunstung und Schattenbildung und tragen somit zur natürlichen Kühlung bei. Außerdem dienen sie als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Flachdächer sind hierbei besonders geeignet für Begrünungen und die Ausstattung mit Photovoltaikanlagen in Kombination, während Satteldächer meist nur mit PV-Anlagen ausgestattet werden können.
Die Einbeziehung der Studierenden in die Gestaltung von Gärten fördert das Bewusstsein für lokale Versorgung. Trotz der Herausforderungen durch Verkehr und Industrie bietet der Campus Potenzial für eine klimaangepasste und biodiversitätsfördernde Entwicklung. Die Identifizierung von Nistmöglichkeiten und vertikalen Grünstrukturen zeigt, dass bereits Schritte in die richtige Richtung unternommen wurden, um die Biodiversität zu fördern und die Aufenthaltsqualität zu verbessern.
